Blindenführhundschule Martina Grün

Urmel im Oktober 2000

Künstlerphoto von Werner und Ariane

letzte Aktualisierung: 03.01.2011

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Training Hindernisgarten Oftersheim

Vom Azubi zum Profi

Ariane und Werner Künstlerfoto 001

Die Ausbildung zum Blindenführhund beginnt in der Regel im Alter von 12 Monaten, wenn der Hund die Eingangs- Untersuchungen (Röntgen der Hüften (HD) und Ellbogen (ED), Blut- und Allergietests) bestanden hat.                    Auf Grundlage der neuesten kynologischen Erkenntnisse erfolgt das Training nur mit dem Hilfsmittel “Stimme” und bei besonders schwierigen Trainingssequenzen (z.B. dem Anzeigen eines Ampelmasten) mit kleinen Leckerchen. Starkzwang physischer und psychischer Art lehne ich strikt ab, denn so wird dem Hund der Spass an seiner Arbeit genommen.

Mit dem Anlegen des Führgeschirrs beginnt für den Hund ein Leben, das über seinen eigenen Körperraum weit hinausgeht. Er lernt im Laufe der nächsten Monate sowohl Boden-, Seiten- als auch Höhenhindernisse anzuzeigen, die ihn als Hund gar nicht interessieren würden. Gleichzeitig muss er im Führgeschirr seinen ureigensten Instinkt, die Umwelt auch durch Schnüffeln zu erkunden, ablegen und vom Nasen-Augentier zum vorwiegend mit den Augen agierenden Hund werden.

Die ersten Übungsgänge finden in einer reizarmen Umgebung statt, denn der Hund soll zunächst einmal lernen, geradlinig zu laufen und an Bordsteinkanten stehen zu bleiben. Schon nach kurzer Zeit werden dann Richtungs-wechsel und Strassenüberquerungen mit eingebaut. Jeder Lernschritt baut auf dem zuvor gelernten auf und wird dadurch beim Hund immer mehr gefestigt. 

Eine relative leichte Übung für einen freilaufenden Hund ist das Umgehen von Seitenhindernissen, wie z.B. einer Strassenlampe oder einer Auto-Absperrung. Kommt aber nun der neben ihm gehende Mensch hinzu, muss er daran denken, dass er genügend Abstand zur Stange hält. Deshalb lasse ich im Normalfall den Hund so das Hindernis passieren, dass er sich zwischen der Stange und dem Mensch befindet. ,

Seitenhindernis 1 Seitenhindernis 2 Seitenhindernis 3

Nun gibt es aber auch Hindernisse, die sich außerhalb des normalen Bewegungsraumes des Hundes befinden, die sog. Höhenhindernisse. Hierbei kann es sich z.B. um einen über den Zaun hängenden Ast, eine versetzt stehende Fahrradabsperrung oder einen an der Wand hängenden Briefkasten handeln.

Hagen Briefkasten
Gina Seiten-Höhen-Hindernis 1 Gina Seiten-Höhen-Hindernis 2

Hier muss der Hund in der Ausbildung lernen sein Raumgefüge bis zu einer Höhe von 2 m zu erweitern, damit der spätere Führhundhalter keine schmerzhafte “Bekanntschaft” mit Stangen und Verkehrsschildern schliesst.

Debby wartet auf die Bahn

Ein weiterer, wichtiger Ausbildungspunkt ist die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Viele Führhundhalter sind auf ihren täglichen Wegen auf Bus und Bahn angewiesen und der Hund muss lernen, die Eingangstüren zu finden, in der Bahn einen freien Sitzplatz anzuzeigen und sich während der Fahrt ruhig zu verhalten. Auch wenn ihm im Gedränge mal jemand auf die Pfote steigt oder mit einem Kinderwagen anstösst, muss er neutral bleiben.

Joka steigt in die Bahn

Am Ende der Ausbildung ist der Hund in der Lage, in Zusammenarbeit mit seinem Führhundhalter, auch die komplexen Verkehrssituationen einer Großstadt zu bewältigen. Hierzu gehören das Überqueren einer mehrspurigen Kreuzung ebenso wie das Anlaufen von Ampeln und das Durchqueren einer vollen Fußgängerzone.

Allerdings ist ein Blindenführhund immer nur so leistungsfähig wie sein (hoffentlich gut geschulter) Führhundhalter es zulässt! Das “Gehirn” sollte immer am Ende des Führbügels laufen und nicht erwarten, dass ihm ein Tier (und das bleibt auch ein Blindenführhund immer) im Strassenverkehr die Entscheidungen abnimmt

Charly bei der Arbeit Okt2008
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