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Der Alltag des Führgespannes - nicht immer alltäglich
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Obwohl es mittlerweile viele gesetzliche Regelungen gibt, die das täglichen Leben eines Führgespannes erleichtern sollen, treffen Hund und Halter leider immer noch auf Unverständnis und Barrieren im täglichen Leben.
So ist in der Lebensmittelhygiene-Verordnung vom 05. August 1997, die am 09. Februar 1998 in Kraft trat, klar geregelt, dass Blindenführhunde im Lebensmitteleinzelhandel durch Blinde mitgeführt werden dürfen und eine nachteilige Beeinflussung der Lebensmittel nicht vorliegt. Trotzdem gibt es immer noch Probleme mit Angestellten, die dem Gespann mit Hinweis auf eben diese Hygieneverordnung den Zutritt zu einem Laden untersagen oder Kunden, die sich über den “unhygienischen” Hund aufregen.
Auch die Mitnahme von Blindenführhunden in Arztpraxen und Krankenhäuser wurde in einem Gutachten des Hygiene-Instituts der Freien Universität Berlin als unbedenklich eingestuft. Hier heisst es im einzelnen: “Da es sich bei Blindenhunden um speziell ausgebildete, in der Regel besonders disziplinierte Hunde handelt, ist eine Übertragung von Infektionskrankheiten durch Verletzungen oder Kontamination von Lebensmitteln unwahrscheinlich.”
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Wenn Sie auf dem Friedhof, beim Bäcker oder im Discounter einem Blinden mit seinem Führhund begegnen, dann wünschen Sie den beiden einen schönen Tag, denn so zeigen Sie Ihrer Umwelt, dass Sie über die “Sonderrechte” des Gespanns Bescheid wissen. Und wenn Sie jemanden schimpfen hören, klären Sie ihn auf, damit er beim nächsten Mal ebenso gut informiert ist wie Sie.
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Aber auch das gibt es leider immer noch:
Blindenhund nicht gern gesehen - Hotelmanager quartieren behinderten Gast wegen seines Begleiters aus - Stellungnahme gefordert
STUTTGART. Gastlichkeit der anderen Art hat in dieser Woche der blinde Informatiker Marco Zehe erlebt. Der 34-Jährige hatte sich für zwei Tage in einem Stuttgarter Dreisternehotel einquartiert und musste sein Zimmer nach einer Nacht räumen. Wegen seines Blindenhunds. Marco Zehe kann es immer noch nicht fassen: In der Nacht zum Montag war er in Stuttgart angekommen und hatte sich mit Hilfe eines im Schließfach deponierten Schlüssels im Hotel Bergmeister im Stuttgarter Osten einquartiert, am Montagnachmittag wurde er von der Geschäftsleitung vor die Tür gesetzt. Die Begründung lautete schlicht: Hunde seien im Hotel nicht zugelassen. Dabei versichert der dienstreise- und hotelerprobte Informatiker, dass er bei der telefonischen Anmeldung angegeben habe, einen Blindenhund mitzubringen, und dass sich sein Schäferhund Falco gut benommen habe, auch im Frühstücksraum. Im Hotel selbst mag man sich zu dem Vorfall nicht äußern: Die Geschäftsführerin legt schon nach der Frage, was denn passiert sei, einfach auf. Zwei weitere Versuche enden ähnlich erfolglos mit dem Tuten in der Leitung: keine Zeit, kein Interesse, kein Kommentar. Zu einem Kommentar bereit ist dafür Stuttgarts oberster Touristikchef Klaus Lindemann, der derlei Beschwerden nicht gerne hört. ¸¸Wir bedauern außerordentlich, dass ein Gast wegen seines Blindenhunds ausquartiert wird." Das Mindeste wäre es aus Sicht des Tourismusexperten gewesen, dem Gast aus Hamburg ein Hotel in der Nähe zu vermitteln, das Hunde aufnimmt. ¸¸Gerade wenn jemand ein Handicap mitbringt, muss man sensibel reagieren. Das gebietet das Einmaleins der Freundlichkeit, und das gehört zum guten Service", urteilt Lindemann. Stuttgart Marketing wird das Dreisternehotel dazu auffordern, eine schriftliche Erklärung zu dem Vorfall abzugeben. ¸¸Von der Antwort hängt es ab, ob wir das Hotel gerne weitervermitteln", erklärt Lindemann. Auch bei der Nikolauspflege, einer Stiftung für blinde und sehbehinderte Menschen in Stuttgart, reagiert man entsetzt auf die Beschwerde. ¸¸Das ist unverständlich, zumal Blindenhunde gut erzogene und friedliche Hunde sind", sagt die Sprecherin Stefanie Krug. Elke Wagner, die stellvertretende Leiterin einer Stuttgarter Sonderberufsschule für blinde und sehbehinderte Jugendliche, weist darauf hin, dass Hotelmanager natürlich ein Hausrecht haben und Hunde verbieten können, erwartet aber dennoch mehr Hilfsbereitschaft. Die Konrektorin, die sich selbst von einem Labrador führen lässt, erinnert an die Praxis in anderen Staaten: ¸¸In den USA dürfen Blindenhunde sogar mit in die Klinik. Bei uns aber besteht trotz Antidiskriminierungsgesetz eine rechtliche Grauzone." Marco Zehe ist für die verbliebene Nacht bei der Familie eines Geschäftskollegen untergekommen. Dort versichern alle Familienmitglieder einmütig: der Hund sei wohlerzogen - anders als die besagten Hotelmanager. ¸¸Ich werde im Blindenverband vor dem Stuttgarter Haus warnen", verspricht Marco Zehe.
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Bitten eines Blindenführhundes
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1. Bitte streichelt und lockt mich nicht, wenn ich mein Führgeschirr trage! Meine Arbeit erfordert viel Konzentration und jede Ablenkung könnte meinen blinden Freund gefährden.
2. Bitte, fragt meinen blinden Partner, ob und wie ihr helfen könnt! Spontanes Anfassen oder Festhalten am Führgeschirr machen mich und meinen Begleiter unsicher. Ihr könnt gerne eure Hilfe anbieten, aber seid nicht beleidigt, wenn Herrchen oder Frauchen ablehnen. Wir sind sehr selbständig!
3. Bitte, sagt meinem Besitzer, welche Busse einfahren oder wann die Ampel auf “grün” steht! Ich bin zwar sehr intelligent, aber lesen oder Ampeln richtig deuten kann ich nicht!
4. Bitte, haltet euch an die Verkehrsvorschriften! Zugeparkte oder mit Fahrzeugen verstellte Gehwege zwingen mich auf die Strasse auszuweichen, wo es sehr gefährlich werden kann.
5. Bitte, erlaubt mir den Zutritt zu Lebensmittelgeschäften! Das Gesetz ist zwar auf meiner Seite, aber dennoch schimpfen immer noch Leute über mich. Ihr lasst eure Augen ja auch nicht vor dem Geschäft!
6. Bitte, erschreckt mich nicht mit Knallkörpern oder dergleichen! Ihr gefährdet damit meine Diensttauglichkeit und mein blinder Partner verliert einen verlässlichen Führer!
7. Bitte, haltet eure Hunde zurück und umgeht unds zügig! Ich darf im Dienst nicht schnuppern und spielen. Doch in meiner (übrigens reichlich bemessenen) Freizeit bin ich immer für eine wilde Rennerei zu haben.
8. Bitte, füttert mich nicht! Ich bin dazu erzogen worden, von Fremden nichts anzunehmen. Jeder Versuch von eurer Seite untergräbt diesen Gehorsam und mein blinder Partner wird dann zu Recht sehr ungehalten!
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Westfalenpost 06.11.2008 Mit Geschirr ist “Gipsy” im Dienst - Blindenführhund ist für Charlotte Weil unentbehrlich geworden
Charlotte Weil hat die erbliche Augenerkrankung RP (Retinitis Pigmentose) und erblindete deshalb mit 45 Jahren. Sie wohnt mit ihrer Familie in Attendorn - und mit “Gipsy”. “Gipsy” ist ihr Blindenführhund. Die siebenjährige Schäferhündin ist für Charlotte Weil unentbehrlich. RP ist eine Erbkrankheit. Ihre Mutter und drei ihrer sechs erwachsenen Kinder sind ebenfalls erkrankt. Einer ihrer Söhne hat ebenfalls einen Blindenführhund, einen Labrador. RP hat man schon von Geburt an. Erst kann man sehen, dann verliert man langsam die Sehkraft. Charlotte Weil machte sogar noch ihren Führerschein und eine Hauswirtschaftslehre, bevor sie nicht mehr genug sehen konnte. Seit vier Jahren hat Charlotte Weil ihre Hündin “Gipsy”. Diese wurde in Siegen ausgebildet. Um einen Führhund zu bekommen, muss man sich ein Rezept beim Augenarzt holen, damit die Krankenkasse die etwa 20.000 € bezahlt, die der Kauf, die Ausbildung und die betreuung kosten. Charlotte Weil musste zunächst zwei Wochen in der Hundeschule mit “Gipsy” üben, dann kam “Gipsy” zu ihr nach Hause. Mit der Ausbilderin übten sie dann in ihrer näheren Umgebung. Als Blindenhunde werden meist Schäferhunde, Königspudel, Labradore und Riesenschnauzer ausgebildet. Das ganze beginnt schon mit etwa acht Wochen mit dem wesenstest der Welpen, die folgende Ausbildung ist dann langwierig und umfangreich. Ansonsten führt “Gipsy” fast ein ganz normales Hundeleben - bis auf ihre Arbeit. Die Hündin geht zweimal täglich mit Frauchen spazieren, spielt mit ihr - und führt sie. Als Blindenführhund darf sie mit in Geschäfte, sofern der Eigentümer nichts dagegen hat. Auch in Bus und Bahn darf sie. Auf Kommando führt sie ihre Besitzerin zu Treppen, Aufzügen, Zebrastreifen und sogar zu bestimmten Zielen. Wenn Charlotte Weil zum Beispiel “Zu Oma” sagt, findet “Gipsy” den Weg zu deren Haus allein, genauso den Rückweg, auch bei Spaziergängen. Wenn “Gipsy” ihr Geschirr, das so viel wie “im Dienst” bedeutet, nicht trägt, kann man die freundliche Hündin auch streicheln. Doch wenn sie im Dienst ist, darf man sie auf keinen Fall durch Füttern, Ansprechen oder Streicheln ablenken. “Kinder fragen, ob sie den Hund streicheln dürfen, Erwachsene gehen einfach hin und fassen den Hund an”, berichtet die Anfang 60-jährige. “Gipsy” hat Charlotte Weil auch schon einmal vor einem Auto gerettet: Die Hundeführerin wollte die Strasse überqueren, als ihre Führhündin stehen blieb und ihr Frauchen auf den Bürgersteig zurückzog: Charlotte Weil hatte ein Auto nicht bemerkt. “Ich traue mich ohne Gipsy nicht in die Stadt. Mit ihr fühle ich mich sicherer als mit dem Langstock”, sagt sie.
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